 Das gezielte Abbrennen von Heide war noch bis in die 1960er Jahre des 20. Jahrhunderts auch im heutigen Naturschutzgebiet Lüneburger Heide durchaus üblich. Danach folgte eine lange Pause, bis diese Art der Heidepflege ab dem Jahr 2002 wieder auf größerer Fläche durchgeführt wurde.
Das gezielte Abbrennen der Besenheide (Calluna vulgaris) ist also eine altbewährte Methode, überalternde Bestände zu verjüngen. Die Voraussetzung für eine gezielte Brandmaßnahme sind ausreichend abgetrocknete Heidepflanzen, weshalb sich das Brennen von Heide im Winterhalbjahr oft schwierig gestaltet. Bevor "ein Feuer gelegt wird", wird eine Brandschneise von mehreren Metern Breite um die ausgewählte Fläche herum gemulcht. Dies verhindert ein ungewünschtes Überspringen der Flammen auf benachbarte Heideflächen. Im nächsten Schritt folgt die Entfachung eines Gegenfeuers auf der windabgewandten Seite der ausgewählten Flächen. Wird anschließend auf der dem Wind zugewandten Seite das „eigentliche“ Feuer entzündet, wandern die Flammen, vom Wind getrieben, auf das Gegenfeuer zu, um sich in ihm auszulaufen und zu erlöschen.
Die Heide, welche die Besucher in das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide lockt, wäre verschwunden, wenn der Verein Naturschutzpark e.V. und nun die zu ihm gehörende Stiftung seit fast 100 Jahren Pflegemaßnahmen wie das Brennen ergreifen würde. Nach einem Brand stehen der Besenheide, deren Samen über 100 Jahre im Boden keimfähig bleibt, die scheinbar vegetationsfreien Flächen zum Neuaustrieb bereit und schon im nächsten Jahr erwachsen unter Umständen die ersten, noch sehr kleinen Heidepflanzen aus dem verbrannten Oberboden. Die unterirdischen Teile der Besenheide ertragen einen Brand sehr gut, besonders dann, wenn der Boden zum Schutz der unterirdischen Pflanzenteile und der im Boden lagernden Samen genügend Feuchtigkeit gespeichert hat oder gefroren ist. Die Besnheide ist sogar ein typischer Brandkeimer.
Auch eine Reihe von in der Heide lebenden Tierarten sind auf eine schützende Bodenschicht angewiesen. So kann eine gefrorene oder ausreichend dicke Humusschicht das Überleben von Kreuzottern und Grasfröschen während eines Brandes im Winter sichern. Die genannten Tierarten graben sich während der kalten Jahreszeit in den Boden ein oder benutzen einen bereits vorhandenen Unterschlupf zur Überwinterung. Bei einem Sommerbrand hingegen, kommen zwar mehr Tiere zu Tode, doch ist die Pflegewirkung auf die Vegetation noch effektiver und nachhaltiger. Zudem geht die Wiederbesiedlung der Flächen durch die Fauna aus den umliegenden Flächen sehr schnell voran. Um diese Rückeroberung besonders rasch zu ermöglichen, werden im Sommerhalbjahr kleine Brandflächen ausgewählt.
Zum Erhalt der Heidelandschaft und der darin vorkommenden Tier- und Pflanzenarten werden sich Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide und Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) auch in Zukunft das seit alters her übliche Brennen der Heide zu Nutze machen. Dabei kann auf eine Fülle von Erfahrungen aus den vergangenen Jahrhunderten zurückgeblickt werden.
|