Offenlandpflege

Was bedeutet eigentlich "Plaggen"?

Mit der Drahtschmiele vergraste Heideflächen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide... hier muss geplaggt werden!

Die Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide hat seit dem 01. Januar 2008 das immobile Vermögen und damit das sog. "operative Geschäft" vom Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) übernommen. Damit ist die Stiftung nunmehr Eigentümer auch der bisher zum Verein gehörenden Heide-, Moor-, Acker-, Grünland- und Waldflächen. Die Stiftung ist durch die Vermögensübertragung natürlich auch zuständig für die Pflegemaßnahmen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Zu diesen Maßnahmen gehört das Plaggen von vergrasten Heideflächen.

Das Abplaggen ist die intensivste Form der Heidepflege und wird dann durchgeführt, wenn die Heiden bereits Rohhumusauflagen von über 3 cm aufweisen und eine starke Vergrasung aufweisen. Zur Zeit der Heidebauernwirtschaft wurden Heidepflanzen mit der Rohhumusauflage und einem durchwurzelten Mineralbodenanteil mit Hilfe der Plaggenhacke per Hand entnommen. Die dabei gewonnenen Heideplaggen wurden in die Schafställe ausgelegt, um später als Dünger auf die Ackerflächen verbracht zu werden. Als Plaggheide wurden die nahe am Hof gelegenen Flächen genutzt, da die Plaggen sehr schwer zu gewinnen und zu transportieren waren.

Heute wird das Plaggen nicht mehr aufwändig mit der Hand geleistet, sondern auf vorher nach naturschutzfachlichen Kriterien ausgewählten Flächen maschinell durchgeführt. Speziell konstruierte Plaggmaschinen werden eingesetzt. Mit Hilfe dieser Maschinen wird die Vegetation mit einer Humusschicht bis zum Erreichen des Mineralbodens abgetragen. Das anfallende Material kann bei kostenloser Anlieferung an die Landwirte zur Humusanreicherung auf Ackerflächen aufgebracht werden. Ein Teil des anfallenden Materials wird auf diese Weise auch auf den Flächen des VNP-Landschaftspflegehofes Tütsberg gestreut. Bedingt durch die schwierige Vermarktungsfähigkeit des Plaggmaterials sowie den technischen Aufwand entstehen durch das Plaggen hohe Kosten von über 4.500,- EUR pro Hektar!

Das heute vielfach eingesetzte sogenannte „Schopperverfahren“ stellt eine sinnvolle und vor allen Dingen kostengünstige Alternative zum Plaggen dar. Während beim Plaggen Mineralbodenanteile und Humusanteile miteinander vermischt werden, wird beim Schoppern weitgehend mineralbodenfreies Material gewonnen, da die Arbeitstiefe etwas geringer als beim Plaggen ist. Diese Methode ist allerdings nur bei Rohhumusauflagen bis 3 cm und wenig vergrasten Flächen einsetzbar.

Mehr zum Thema "Offenlandpflege und Naturschutz" im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide erfahren Sie auch auf der Internet-Präsentation des Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) unter www.verein-naturschutzpark.de



Welche Heidepflegeverfahren gibt es noch?

Gemähte Heide wird zu Ballen gepresst und findet Verwendung z.B. bei der Firstabdeckung von Reetdachhäusern...

Ein anderes Verfahren bei der Pflege von überalterten, wenig vergrasten Heidebeständen ist das Mähen. Auch dies haben die Heidebauern früher per Hand gemacht: mit einer speziellen Sichel. Heute werden Maschinen dafür eingesetzt, die besonders tief ansetzen und auch Bodenverwundungen herbeiführen. Die Verjüngung der Heide erfolgt dann sowohl über Stockausschläge als auch über im Boden befindliche Samen.

Wird die Mahd in zehnjährigen Abständen durchgeführt, können Callunabestände sehr vital gehalten werden. Gegenüber der Beweidung bewirkt die tiefe Mahd auch einen intensiveren Austrag von Biomasse aus der Fläche. Die Mahd wird bei günstigen Witterungsverhältnissen meist während des Winterhalbjahres durchgeführt und das dabei anfallende Mahdgut von den Flächen entfernt. Das Pflegematerial findet in erster Linie Verwendung für die Firstabdeckung traditioneller Reetdachgebäude im Naturschutzgebiet und darüber hinaus.

Wenn Sie Interesse an in Ballen gepresster, gemähter Heide haben, wenden Sie sich bitte an unseren Fachbereichsleiter "Naturschutz und Offenlandpflege", Herrn Dirk Mertens unter der Rufnummer 05198 / 987034.



Eine alte Pflegemaßnahme von Heideflächen ist das Brennen...

Bereiche von mit Wacholdern bestandenen Heideflächen werden von Brandmaßnahmen zur Pflege der Heide ausgenommen...

Das gezielte Abbrennen von Heide war noch bis in die 1960er Jahre des 20. Jahrhunderts auch im heutigen Naturschutzgebiet Lüneburger Heide durchaus üblich. Danach folgte eine lange Pause, bis diese Art der Heidepflege ab dem Jahr 2002 wieder auf größerer Fläche durchgeführt wurde.

Das gezielte Abbrennen der Besenheide (Calluna vulgaris) ist also eine altbewährte Methode, überalternde Bestände zu verjüngen. Die Voraussetzung für eine gezielte Brandmaßnahme sind ausreichend abgetrocknete Heidepflanzen, weshalb sich das Brennen von Heide im Winterhalbjahr oft schwierig gestaltet. Bevor "ein Feuer gelegt wird", wird eine Brandschneise von mehreren Metern Breite um die ausgewählte Fläche herum gemulcht. Dies verhindert ein ungewünschtes Überspringen der Flammen auf benachbarte Heideflächen. Im nächsten Schritt folgt die Entfachung eines Gegenfeuers auf der windabgewandten Seite der ausgewählten Flächen. Wird anschließend auf der dem Wind zugewandten Seite das „eigentliche“ Feuer entzündet, wandern die Flammen, vom Wind getrieben, auf das Gegenfeuer zu, um sich in ihm auszulaufen und zu erlöschen.

Die Heide, welche die Besucher in das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide lockt, wäre verschwunden, wenn der Verein Naturschutzpark e.V. und nun die zu ihm gehörende Stiftung seit fast 100 Jahren Pflegemaßnahmen wie das Brennen ergreifen würde. Nach einem Brand stehen der Besenheide, deren Samen über 100 Jahre im Boden keimfähig bleibt, die scheinbar vegetationsfreien Flächen zum Neuaustrieb bereit und schon im nächsten Jahr erwachsen unter Umständen die ersten, noch sehr kleinen Heidepflanzen aus dem verbrannten Oberboden. Die unterirdischen Teile der Besenheide ertragen einen Brand sehr gut, besonders dann, wenn der Boden zum Schutz der unterirdischen Pflanzenteile und der im Boden lagernden Samen genügend Feuchtigkeit gespeichert hat oder gefroren ist. Die Besnheide ist sogar ein typischer Brandkeimer.

Auch eine Reihe von in der Heide lebenden Tierarten sind auf eine schützende Bodenschicht angewiesen. So kann eine gefrorene oder ausreichend dicke Humusschicht das Überleben von Kreuzottern und Grasfröschen während eines Brandes im Winter sichern. Die genannten Tierarten graben sich während der kalten Jahreszeit in den Boden ein oder benutzen einen bereits vorhandenen Unterschlupf zur Überwinterung. Bei einem Sommerbrand hingegen, kommen zwar mehr Tiere zu Tode, doch ist die Pflegewirkung auf die Vegetation noch effektiver und nachhaltiger. Zudem geht die Wiederbesiedlung der Flächen durch die Fauna aus den umliegenden Flächen sehr schnell voran. Um diese Rückeroberung besonders rasch zu ermöglichen, werden im Sommerhalbjahr kleine Brandflächen ausgewählt.

Zum Erhalt der Heidelandschaft und der darin vorkommenden Tier- und Pflanzenarten werden sich Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide und Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) auch in Zukunft das seit alters her übliche Brennen der Heide zu Nutze machen. Dabei kann auf eine Fülle von Erfahrungen aus den  vergangenen Jahrhunderten zurückgeblickt werden. 



Beweidung der Offenlandschaft im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide mit Heidschnucken...

Heidschnucken der Stiftung Naturschutzpark sind die wichtigsten Landschaftspfleger im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide...

Rund 5.200 Hektar Heide und Magerrasen der Stiftung Naturschutzpark werden im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide durch Beweidung mit der Grauen Gehörnten Heidschnucke gepflegt. Sechs Herden dieser alten Haustierrasse sind für die Stiftung rund um den Wilseder Berg "im Einsatz". Aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit sind sie sehr gut für die Landschaftspflege in der Offenlandschaft geeignet. Die Beweidung der Flächen erfolgt in der traditionellen Hütehaltung – so wie es die „alten Heidjer“ jahrhundertelang praktiziert haben. Hierbei werden die Schnuckenherden, die eine Größe von 350 bis 400 Muttertieren plus Nachzucht haben, den ganzen Tag von einem Schäfer betreut. Die Herden werden ganzjährig gehütet, wobei die Tiere die Nacht in den typischen, meist reetgedeckten Schafställen verbringen. So können Kot- und Harneinträge und damit unerwünschte Nährstoffeinträge in die Heideflächen minimiert werden.

Eine ausreichende Beweidungsintensität ist für das Erreichen eines optimalen Pflegeeffektes Voraussetzung. Die Heide muß so kurz gehalten werden, daß sie von unten immer frisch nachtreibt. Verholzende Calluna-Pflanzen werden von den Heidschnucken nicht mehr gefressen. Die optimale Wuchshöhe beträgt 10 – 15 cm. Die Beweidung erweist sich auch zur Lösung einiger Probleme in der Landschaftspflege als besonders vorteilhaft. So ist z.B. für die Erhaltung lichtliebender Pflanzengesellschaften im Kontaktbereich von Heideflächen zu Stillgewässern und Mooren die Beweidung das einzig sinnvolle Pflegeverfahren. Auch Gehölzaufwuchs in Heideflächen lässt sich durch Schafverbiss wirksam begrenzen. Um Letzteres noch zu optimieren, begleiten auch Ziegen alter Rassen die Heidschnucken. Die Ziegen verbeißen aufkommende Gehölze noch besser als die Schnucken.

Sie können auch eine Patenschaft für eine Heidschnucke übernehmen... mehr zu diesem Thema finden Sie unter www.verein-naturschutzpark.de



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